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PPL-A - Kai lernt Fliegen - der Blog

20.04.2011 - 48. Flugstunde - IFR-Brille und GCA

Details

Heute fliege ich mit der IFR-Brille. Das bedeutet, man setzt eine Brille auf, die nur den Blick auf die Instrumente zulässt, jedoch nicht nach außen. Anstelle der Brille gibt es auch noch eine Haube, bei der sich ein Schirm vor dem Gesichtsfeld befindet. Als zusätzliches Schmankerl soll dieses Training mit einem GCA (=Ground controlled  approach) verbunden werden.

Sinn und Zweck ist es, sich unter Instrumentenbedingung zu Recht zu finden, falls man unabsichtlich in ein Schlechtwettergebiet einfliegt und keine Sicht mehr nach außen hat.
Hinweis: Diese Übungen werden nur mit dem Fluglehrer zusammen geflogen, da zwingend noch jemand nach Außen hin Ausschau hält !

Zum GCA ein Zitat aus Wikipedia:

Bodengesteuerter Anflug bzw. Ground Controlled Approach (kurz GCA) ist die Bezeichnung für ein in der Luftfahrt verwendetes radargesteuertes, bodengeführtes Blindanflugverfahren, das im Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde und auch heute noch bei Ausfall der Avionik im Flugzeug als Reserve-Landehilfe-Option besteht.

GCA benutzt Rundsicht-Radar, um das landende Flugzeug in eine Position zu führen, die einen Anflug auf die jeweils benutzte Landebahn gestattet, sowie ein entlang der Landebahn ausgerichtetes Präzisionsanflugradar, das das Flugzeug während des Landeanflugs verfolgt. Die Bedienungsmannschaft des Radars gibt dem Piloten des anfliegenden Flugzeugs dabei über Sprechfunk Steueranweisungen, die ihm auch im Instrumentenflug ohne Sicht einen Landeanflug auf einem virtuellen Gleitpfad (engl.: glide path) zur Landebahn erlauben.

[…] Außer den Anweisungen für den Sinkflug werden dem Piloten auch Informationen/Anweisungen gegeben, die seine Position in Bezug auf die verlängerte Mittellinie der Landebahn betreffen. Die Arbeit des Fluglotsen der den Endanflug überwacht, besteht darin, den Piloten durch entsprechende Korrekturen bei der Richtung und bei der Sinkrate in die Lage zu versetzen, einen Anflug durchzuführen, der einem ILS-Anflug gleichkommt.

Nach dem Check der Maschine fliege ich über das VOR BAM mit Steuerkurs 240 „From“ auf Geilenkirchen zu. Jetzt setze ich die IFR-Brille auf und versuche, meinen Steuerkurs und die Flughöhe zu halten. Da die Brille im oberen Bereich nur aus undurchsichtigem Milchglas besteht und mir die Sonne direkt ins Gesicht scheint, fangen meine Augen langsam an zu tränen. Konzentriert verfolge ich meinen Kurs. Jetzt ist es an der Zeit, Geilenkirchen Radar zu rufen. Aber was sage ich ihm denn?

Ich kann ja nicht deutsch/englisch mischen – oder doch?

„D-EJRD, eine DR400 aus Essen/Mülheim, VFR Schulflug, ca. 25 NM nordöstlich des Platzes für einen radarunterstützten Anflug auf die aktive Piste.“

Jetzt heißt es abwarten, was mir der Radarlotse sagt und ob er überhaupt die Zeit und Lust hat, mir als kleinen Privatflieger diesen GCA zu ermöglichen.
„D-RD, Transpondercode 4451, erwarten Sie radargestützten Anflug“ – oder so ähnlich…den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr.


Während des Anfluges (alles nur mit IFR-Brille und dem Blick auf den Instrumenten) erhalte ich stets den Kurs, den ich zu fliegen habe, vom Lotsen angesagt.

„D-RD, steuern Sie Kurs 260.“
„D-RD, steuern Sie jetzt Kurs 240.“
„D-RD, noch 7 Meilen bis zum Final.“

Auch die Entfernungen werden mir durchgegeben und bei 3 Meilen übernimmt ein anderer Lotse auf der gleichen Frequenz den restlichen Teil.

„D-RD, guten Tag, wie hören Sie mich?“
„D-RD, ich höre Sie 5.“
„D-RD, das ist schön, wie ist Ihr Steuerkurs und welche Höhe haben Sie?“

Ich nenne also Steuerkurs und Höhe und bekomme die Anweisung, nun zu sinken.

Mit 300ft pro Minuten leite ich den Sinkflug ein. „D-RD, Sinkrate ist gut, Steuerkurs 280, Sie sind etwas links von dem Aufsetzpunkt.“ Weiter bekomme ich Korrekturen für den Kurs oder der Sinkrate. Die Entscheidungshöhe (für einen möglichen Abbruch des Landeanflugs) beträgt 483ft, welche ich gerade unterschritten habe.

„D-RD, Piste 27, Wind xxxxxx – Sie haben Rückenwind, frei zum Aufsetzen und Durchstarten oder für einen tiefen Überflug.“

Jetzt darf ich meine Brille absetzen und bin echt überrascht. Vor mir liegt die über 3000m lange Landebahn und ich befinde mich kurz vor der Schwelle. Wahnsinn!

Wir vollziehen einen Touch & Go und wechseln nach Abstimmung auf die Turmfrequenz. Der Türmer schickt uns weiter in die Platzrunde (und macht auch keine Anstalten, dass er uns los werden will). So fliege ich noch 2 Platzrunden auf die Piste 27 und jeweils 2 auf die Piste 09. Während der Anflüge kann ich die parkenden AWAC Maschinen bewundern.  Dann  verabschieden wir uns und verlassen die Kontrollzone nach Norden .

Der Weg zurück führt uns über Grefrath nach Essen/Mülheim. Hier setze ich wieder die Brille auf und mein FL teilt mir die Kurse mit, die ich zu fliegen habe. Erst in der Platzrunde in EDLE nehme ich die Brille ab. Mit der Brille hat es gut geklappt und bis auf ein paar Ausreißer von 50-100ft in der Höhe war es ein Erlebnis.

Ich möchte mich noch ganz herzlich für die Möglichkeit der heutigen Übung bei den professionellen und ruhigen Lotsen des Militärflugplatzes in Geilenkirchen (ETNG) bedanken. So werden solche Übungen zu einem Erlebnis!

Die Blockzeit betrug 1 Std. und 39 Minuten und die reine Flugzeit 1 Std. und 26 Minuten.
   
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